Peter und Frau Rauscher Peter, Schwester Maria und Frau Rauscher Peter am Großen Fass in Heidelberg

"Es ist noch immer ein bisschen, als würde ich träumen"


Nun war es endlich soweit. Herta Rauscher aus Leopoldsafen konnte "ihren Peter" endlich in die Arme schließen.

Peter ist Pfarrer in einer Provinz im Süden Indiens. Geboren in eine sehr arme Familie, war sein Start ins Leben nicht sehr verheißungsvoll. Schon früh kämpfte der schwächliche Junge ums Überleben. Seine Schicksalswende kam als Vertreter der Kindernothilfe auf ihn aufmerksam wurden. Als eines von vier Kindern aus seiner Schule wurde er in ein Schulprojekt aufgenommen. 

Zu diesem Zeitpunkt übernahm der Bibelkreis im Karlsruher Ortsteil Hagsfeld die Patenschaft Peter im Alter von zehn Jahren für den zehnjährigen Peter. Mit Frau Rauscher entwickelte sich ein intensiver Briefverkehr, der einer innigen Beziehung mündete. Im Bibelkreis wurde regelmäßig für den kleinen Schützling gebetet und gesammelt. Seine schulischen Leistungen entwickelten sich gut, so dass Peter nach seinem Schulabschluss für ein Studium vorgeschlagen wurde. Auch durch das Studium half ihm gemeinsam der Bibelkreis mit Frau Rauscher.

Doch mit seinem akademischen Grad als Zoologe hatte Peter zwar einen Beruf aber nicht seinen Berufung gefunden. Für einige Jahre verpflichtete er sich nun als Praktikant in der Church of South India mit der Aussicht auf ein Stipendium für ein Studium der Theologie. Obwohl nun die offizielle Förderung durch die Kindernothilfe beendet war, hielt der Briefkontakt zwischen Frau Rauscher und ihrem Peter. Auch griff sie ihm zusammen mit Schwester Maria, mit der sie sich eine Wohnung teilt, immer wieder finanziell unter die Arme.

Bald nach dem erfolgreichen Abschluss heiratete Peter seine Frau Selvi und bekam seine erste Pfarrstelle. Auch der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Auf seinen Sohn Amos folgte Tochter Herta, die als Zeichen der Verbundenheit den Namen der Patenmutter bekam.

Über all die Jahre ergab sich nie die Gelegenheit, dass sich Peter und seine Patenmutter einmal persönlich begegneten. So entstand vor ein paar Jahren im Freundeskreis Kindernothilfe Karlsruhe die Idee, Peter nach Deutschland einzuladen. Im März 2005 war es soweit. Frau Rauscher war gerade 80 Jahre geworden und wir konnten ihr mitteilen, dass Peter schon bald auf Einladung des Freundeskreises zu Besuch nach Deutschland kommen würde, sobald die Formalitäten wie Reisepass und Visum erledigt waren. Für beides ging noch ein viertel Jahr ins Land, so dass Peter letztendlich seinen Flug für Oktober buchen konnte.

Am 14.10.2005 nach über 30 Jahre währendem Briefwechsel lagen sich Peter und seine Mutter Herta in den Armen. Im Laufe der folgenden 14 Tage konnten sie viele gemeinsame Stunden verbringen. Freunde und Nachbarn halfen, damit sich der seltene Gast rundum wohl fühlte.

Natürlich haben wir unseren Gast auch ein wenig kennenlernen wollen denn schließlich werben wir an unseren Ständen seit vielen Jahren für Patenschaften der Kindernothilfe. Peter hielt für uns einen schönen Bildervortrag und wir hatten Gelegenheit, ihn über seinen Lebensweg und seinen Aktivitäten zu befragen. So erfuhren wir, dass er zusammen mit seinen Freunden mittlerweile selbst einige Schulstipendien und ein Patenkind im norden Indiens finanziert. Darüber hinaus gehört zu seiner Pfarrstelle ein Kinderheim, um dessen Finanzierung er sich kümmert.

Peter besuchte in den folgenden Tagen auch den Kindergottesdienst ein der ev. PhilippusKindergottesdienst Philippusgemeinde Gemeinde in der Karlsruher Rheinstrandsiedlung, die Grundschule in Wössingen, den Bibelkreis in Leopoldshafen, dem Frau Rauscher nun angehört, und verbracht einen Tag bei der Kindernothilfe in Duisburg. So konnte er auch die Kirchenarbeit in Deutschland ein wenig kennen lernen. Natürlich kam auch der touristische Teil nicht zu kurz. Neben Karlsruhe und Umgebung standen auch Baden Baden, Heidelberg und Köln auf dem Terminplan.

So vergingen die beiden Wochen wie im Flug. Für Peter und seine Patenmutter war ein Traum wahr geworden, wir, die Mitglieder des Freundeskreises haben eine Freund und viel Motivation für unsere Arbeit gewonnen.
Sicher kann nicht jede Patenschaft so erfolgreich verlaufen aber in Peter zeigt es sich, dass die Idee funktionieren kann und die, die einmal Unterstützung erfahren haben, diese weitergeben an Kinder, die einen ähnlich schlechten Start ins Leben haben. Und das alles über Länder- und Kulturgrenzen hinweg.

"Es ist noch immer ein bisschen, als würde ich träumen" sagte Frau Rauscher noch einige Wochen nach dem Peter wieder zu Hause in Indien war.


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