Familie Patenkind

Meinen ersten Kontakt mit der Kindernothilfe hatte ich 1972

auf einem Flug nach Indien. Mein Sitznachbar, ein junger Mann, erzählt mir, dass der Grund für seinen Flug nach Indien ein Besuch bei seinem Patenkind sei. Auf meine etwas erstaunte Reaktion erzählte er mir, dass es eine Organisation, eben die KNH gäbe, über die man Kindern aus der 3. Welt als Pate die Möglichkeit durch Schulbesuch und Ausbildung zu einem besseren Start ins Leben verhelfen könne.

Der eigentliche Auslöser dafür, dass ich den Entschluss fasste, selbst eine solche Patenschaft zu übernehmen, war 1979 eine Reportsendung im Fernsehen, in der der bekannte Fernsehjournalist Franz Alt über die Kindernothilfe berichtete und um Paten warb. Auf meinen Brief an die KNH nach Duisburg schrieb man mir, dass diese Sendung eine solch große Reaktion hervorgerufen hätte, dass man gar nicht alle Wünsche nach einem Patenkind befriedigen könne. Man wäre aber sehr dankbar, wenn man inzwischen trotz dem den Beitrag für eine Patenschaft spenden würde, um damit zu helfen, neue Einrichtungen zu schaffen oder bestehende zu verbessern oder auszubauen. Damit habe ich mich dann einverstanden erklärt.

Im Laufe des Jahres 1980 planten mein Mann und ich dann eine Reise nach Sri Lanka mit einem Abstecher nach Madras in Südindien. Mein Mann hatte einige Jahre vorher dort im Auftrag seiner deutschen Firma in Zusammenarbeit mit einem indischen Unternehmen am Bau einer Wasserleitung gearbeitet. Da ich inzwischen wusste, dass die KNH dort mehrere Einrichtungen unterstützte, bat ich um nähere Informationen und Namen von Kontaktpersonen. Wir konnten dann auch während unsres Aufenthalts in Madras durch die Vermittlung eines Pfarrers der südindischen Kirche, dem Partner der KNH, das Technical-Students-Hostel eine Art Berufsschule, besuchen. Wir wurden mit Blumenkränzen und Gesang begrüßt. Junge Männer würden dort zu Elektrikern oder Schneidern ausgebildet. Letztere ließen es sich nicht nehmen, an mir Maß zu nehmen, damit sie mir einen Rock nähen könnten, den ich auch prompt nach einigen Wochen über Duisburg erhielt.

Als wir dem Pfarrer erzählten, dass wir die Absicht hätten ein Patenkind zu unterstützen, machte er den Vorschlag, ob wir nicht einem jungen Mädchen aus seiner Gemeinde helfen wollten, eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen, die nicht umsonst ist. Die Familie sei sehr arm, der Vater als Ernährer lebte nicht mehr. Wir haben dann selbst gesehen, auf wie engem Raum sie lebten, und das junge Mädchen haben wir dann in einem Kindergarten besucht, wo sie als Helferin arbeitete. Sie war uns gleich sympathisch. Sie sprach auch gut Englisch, so dass wir uns mit ihr unterhalten konnten. Aber die Entscheidung, ob sie unser Patenkind werden könnte, musste natürlich von Duisburg ausgehen, weil normalerweise jüngere Kinder dafür in Frage kommen, und Jemma war schon 17 Jahre. Nach unsrer Rückkehr habe ich mich dann an die KNH-Zentrale in Duisburg mit der Bitte gewandt, mit der südindischen Kirche Kontakt aufzunehmen. Nach einigen Wochen bekamen wir dann die Mitteilung, dass die Patenschaft genehmigt sei. Jemma bekam dann einen Ausbildungsplatz in einem Krankenhaus in Vellore. Von da an entwickelte sich ein reger Briefwechsel, der auch noch lange nach Beendigung ihrer Ausbildung und damit unsrer Patenschaft anhielt. Irgendwann bekam ich dann sogar eine Einladung zu ihrer Hochzeit, die ich leider nicht annehmen konnte. Später bekam ich dann noch ein Familienfoto.

Leider riss die Verbindung '92 ab. Jemma war mit ihrem Mann nach Abu Dhabi gegangen und hat dort auch in einem Krankenhaus gearbeitet. Auf meinen Brief dorthin habe ich dann keine Antwort mehr bekommen.

Ich habe dann eine Projektpatenschaft übernommen. Seit 1991 betätige ich mich im Arbeitskreis Karlsruhe. Unsere erst Aktivität war im November '91 auf der Offerta (eine Vebrauchermesse in Karlsruhe), wo wir uns mit einem Infostand beteiligen durften.

Ursula Niepelt



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