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Anläßlich
des 40-jährigen Bestehens der Kindernothilfe e. V. in Duisburg war
Pastor Sigmar Reichel, Leiter von AMENCAR, unserer brasilianischen Partnerorganisation,
am 07.10.99 zu Gast beim Arbeitskreis Kindernothilfe Karlsruhe im Jubez
am Kronenplatz.
Pastor Reichel berichtete
in seinem Dia-Vortrag von Brasilien, seinen geographischen, wirtschaftlichen
und sozialen Voraussetzungen, dem Reichtum, der sich auf wenige beschränkt,
der Armut, unter der, wie eigentlich überall besonders die Kinder
zu leiden haben. Als besonderes Highlight hatte er Maria Dos Anjos aus
dem Projekt 'Casa do Menor' in Rio de Janeiro mitgebracht. Das 'Casa do
Menor' (Haus der Kinder) ist vergleichbar mit dem vom Arbeitskreis Karlsruhe
unterstützten Projekt 'Casa do Menino' allerdings erheblich größer.
Daher war es für uns besonders interessant zu erfahren, wie das Leben
in einer solchen Einrichtung abläuft und welche Perspektiven sich
daraus ergeben.
Maria berichtete,
wie sie als Kind von ihrer Mutter ins Casa do Menor gebracht worden war,
da sie nicht in der Lage war ihre Kinder zu versorgen. In Ihrem Alltag
steht die Schule im Mittelpunkt, was AMENCAR auch als Bedingung für
den Aufenthalt in den verschiedenen Einrichtungen stellt.
In der Freizeit bietet das Casa verschiedene Möglichkeiten an, sich
etwas Geld zu verdienen, sei es in den unterschiedlichen Werkstätten
oder, wie in Marias Fall, als Telefonistin. Diese Tätigkeiten dienen
auch dazu die Kinder auf einen Beruf vorzubereiten, den sie ausüben
können, wenn sie das Casa do Menor im Alter von 18 Jahren verlassen
müssen. Auch für Maria sind die Weichen für die Zukunft
bereits gestellt. Im Anschluß an ihre Schulausbildung im nächsten
Jahr wird sie voraussichtlich ein Jura-Studium in Italien aufnehmen, für
dessen Finanzierung sich ein Pate gefunden hat. Sie möchte anschließend
Anwältin werden.
Pastor Reichel wies
darauf hin, daß die Absolventen des Casa nicht unbedingt sofort auf
eigenen Füßen stehen müssen. Für sie gibt es ein Übergangswohnheim
und weitreichende Betreuung, um ihnen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
Auf die Frage nach
den Perspektiven der Absolventen berichtete er von einem Jungen, dem AMENAR
nach dem Abschluß eine kleine Werkstatt zur Reparatur von Elektrogräten
eingerichtet hatte. Als sich sein Betreuer nach einigen Jahren nach der
Werkstatt erkundigte hatte er diese verkauft und war nun als Buchhalter
tätig. Er hatte sich mit den Einnahmen aus seiner Arbeit die Ausbildung
zum Buchhalter finanziert und sich damit selbst seinen eigentlichen Berufswunsch
erfüllt.
Wir hoffen nach diesem
gelungenen, äußerst informativen Abend, Pastor Sigmar Reichel
bei nächster Gelegenheit wieder einmal bei uns begrüßen
zu können.
(Bildautor: Martin
Buchholz, Kindernothilfe: Jaozinho lernt bei ACOM, wie man mit einfachsten
Mitteln Obst und Gemüse anbaut)
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