Hokisa

Südafrika - Jugend zwischen Apartheid und AIDS

Vortrag von Lutz van Dijk, freier Buchautor aus Amsterdam am 26.04.2001
Veranstalter: Freundeskreises Kindernothilfe Karlsruhe mit Unterstützung des IBZ

Herr van Dijk Am Donnerstag, den 26.04.01 durften wir Herrn Lutz van Dijk, Autor mehrerer Jugend- und Sachbücher, und Träger verschiedener Buchpreise, im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) in Karlsruhe begrüßen.

Herr van Dijk war bis 14.04.01 in Südafrika unterwegs, um bei der Gründung einer Stiftung für von AIDS betroffene Kinder zu helfen. Aus seinem literarischen Schaffen haben wir seine Bücher 'Der Traum vom Regenbogen' und 'Township Blues' in Unserer EINEN Bücherwelt bereits vorgestellt, so dass ich auf die Inhalte hier nicht mehr im Einzelnen eingehen möchte.

Herr van Dijk berichtete von seinen Besuchen bei einigen Hearings der Wahrheitskommission 1998, die er zusammen mit Karin Chubb in seinem Sachbuch 'Traum vom Regenbogen' zusammengefasst und kommentiert hat. Einige der jungen Zeugen hatte er später besucht, um zu Erfahren, welche Auswirkungen ihr Auftritt vor der Kommission hatte. Bedrückend empfand er, dass zum Teil die selben Leute, die damals Schergen des Appartheidsregimes waren, noch heute in den entsprechenden Funktionen sind.

Im weiteren Verlauf berichtete er von seinen Kontakten zu Jugendlichen in den Townships von Kapstadt, von deren bedrückender Geschichte sein Jugendroman 'Township Blues' handelt.

Township Blues Herr van Dijk konnte berichten, dass bei Thinasonke, der Hauptperson in diesem Buch, die Krankheit bislang noch nicht ausgebrochen ist. Sie lebt immer noch bei ihren Eltern, hat aber ein sehr gespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, mit der sie kaum ein Wort wechselt. Die Freundschaft zu Thabang ist weiterhin ein fester Halt in ihrem Leben und ihr Bruder hat mittlerweile sehr erfolgreich ein kleines Unternehmen gegründet, in dem er Touristen durch die Townships fährt.

An der Situation der AIDS-Problematik in der Öffentlichkeit hat sich leider bislang nichts geändert, zumal selbst die Politik nicht in der Lage ist dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. So sind zum Beispiel im Südafrikanischen Parlament nach einer Statistik der Krankenkasse ca. 15% der Abgeordneten nachgewiesener Maßen HIV-positiv. Nicht einer hat sich bis heute damit an die Öffentlichkeit gewagt. Nur wenige mutige Auftritte wie die des jungen Nkosi Johnson oder eines der oberen Richter, die sich zu ihrer Krankheit bekannten haben nicht den großen Erfolg gebracht.

Bei geschätzten 12.000.000 AIDS-Toten allein im südlichen Afrika in den vergangenen Jahren und einer Durchseuchung von 15-25% wird dieses Thema allerdings immer akuter und drängender. Mit Videos und Fotos von zwei Projekten, die er in Südafrika besucht hatte, gab er einen Einblick in die Ziele, die er mit der Stiftung HOKISA (Home for Kids in South Afrika) verfolgt.

Sowohl eine Selbsthilfegruppe für AIDS-infizierte Mütter, als auch ein Kinderheim zeigten den Zuhörern die Notwendigkeit von internationaler Hilfe deutlich auf. Die Vision des Kinderheims ist es ein Arial, das es von der Stadt erhalten in ein autarkes Gebiet auszubauen, das Kindern Heim und Ausbildung geben soll.

In der an den etwa einstündigen Vortrag anschließenden Diskussion wurde diese Problematik noch vertieft und es wurden Parallelen zur AIDS-Problematik in Deutschland gezogen, wozu die von uns eingeladene AIDS-Hilfe Karlsruhe mit einigen aktuellen Erfahrungen und Zahlen beitrug.

Herr van Dijk gelang es ein umfassendes Bild der gesellschaftlichen Probleme Südafrikas auf zu zeigen. Mit seiner Stiftung HOKISA möchte er einen kleinen Beitrag leisten, um die daraus resultierende Not ein wenig zu mildern. Wir nehmen aus dieser Veranstaltung, an der rund 30 Personen teilnahmen, das Bewusstsein mit, dass wir im Umfeld unserer Projekte das Thema AIDS nicht aus den Augen verlieren dürfen und Initiativen unserer Partner, sich dem Thema anzunehmen mit allen Mitteln zu unterstützen.

Für den Freitag hatten wir Herrn van Dijk noch für eine Lesung am Fichte-Gymnasium gewinnen können. Die etwa 40 Schüler der elften Klasse hatten das Buch 'Township Blues' bereits im Unterricht behandelt und hatten viele Fragen an den Autor, die dieser engagiert und mit Freude ausführlich beantwortete, so dass die zwei Stunden schon vorbei waren, bevor Herr van Dijk etwas aus seinem Buch gelesen hatte. 'Das war meine erste Lesung, ohne Lesung' meinte der sichtlich zufriedene Autor augenzwinkernd nach der gelungenen Veranstaltung.

Wir wollen Herrn van Dijk, der schon bald wieder nach Südafrika reisen wird, als auch die Stiftung HOKISA nicht aus den Augen verlieren und hoffen ihn bei passender Gelegenheit wieder in Karlsruhe begrüßen zu können.


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