Waldschulklasse 2001

Kinder helfen Kindern

30 Viertklässler sammeln 1200,- DM für Straßenkinder in Brasilien


Karlsruhe, Juni 2001

Bücher und Hefte liegen noch aufgeschlagen auf den Tischen. Es ist spürbar, hier wird gelernt. Aber auch der Spaß und die Freude sind hier zu Hause. Sehr schöne bunte selbst gefertigte Traumfänger hängen von der Decke, drehen sich wie ein Riesenmobile. In der Ecke eine kleine gemütliche Sitzgruppe, die mit viel Lesefutter für Leseratten ausgestattet ist.
Und dann schwärmt und schwirrt es herein, 30 Mädchen und Jungen der 4. Klasse der Waldschule in Kirchfeld-Neureut kommen vom Sportunterricht zurück, kein bisschen müde. Mit 30 Kindern, Fr. Lenz, der Klassenlehrerin, Fr. Schäfer, der Rektorin und Fr. Seiler (der Praktikantin) und mir, sitzen wir im Kreis. Dass ich hier bin, hat einen besonderen Grund, und dazu gibt es eine Geschichte zu erzählen.
'Also, wie seid Ihr auf die Idee gekommen für Kinder Geld zu sammeln? Und vor allem, wie habt Ihr das angestellt?' frage ich. 'Im Fach Heimat- und Sachunterricht haben wir das Thema, Kinderarbeit in der Dritten Welt , durchgenommen. Frau Seiler (die über das Internet Kontakt mit der Kindernothilfe aufgenommen und daraufhin Materialien bezogen hatte) zeigte uns einen Film mit dem Titel 'Einmal im Leben ins Kino' . Er erzählt die Geschichte von Kindern und ihren Eltern in einem Entwicklungsland, ihrem Kampf ums tägliche Überleben und ihrem Traum, einmal ins Kino gehen zu dürfen. Aus großer Not heraus übergeben die Eltern ihre Kinder Leuten, die in ihr Dorf kommen, sie versprechen den Eltern für ihre Kinder zu sorgen, ihnen Wohnung, Verpflegung und Ausbildung zu verschaffen. Doch die Kinder müssen hart und lange in einer Teppichknüpferei arbeiten und auf dem Fußboden schlafen. Sie bekommen kein Geld, nur wenig zu essen und werden statt dessen geschlagen. Weglaufen können sie nicht.'
Im Film nimmt die Geschichte ein gutes Ende, die Kinder werden befreit. Doch im Unterricht erfahren die Schüler, dass es noch viele solcher ausgebeuteten und festgehaltenen Kinder gibt. Sie hören von Kindern, die ohne Hilfe der Familie oder des Staates, völlig entrechtet, auf den Straßen um ihr Überleben kämpfen müssen. Den Jungen und Mädchen wird hier klar, wie verschieden ihr Leben zu dem der Kinder in Asien, Afrika und Südamerika aussieht Die Viertklässler der Waldschule überlegen sich mit ihrer Lehrerin was sie tun, wie sie helfen können. Und da fällt ihnen einiges ein, z.B. auch die Kindernothilfe.
Nein, sie zogen ihren Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden nicht einfach das Geld. aus der Tasche, sondern leisteten echte Überzeugungsarbeit, als sie für ein Straßenkinderprojekt in Brasilien sammelten. Anna, Alena, Sina und all die anderen Kinder haben sich gut darauf vorbereitet, zu viert sind sie dann losgezogen und haben ein richtiges Wettsammeln veranstaltet. Philip und seine Freunde baten z.B. beim Geburtstag von Philips Vater, alle Gäste um eine Spende, die konnten unseren überzeugenden Helfern natürlich nicht widerstehen.
Ganz besonders war, dass unsere Schüler über die Kinder, für die sie sammelten, kleine. Situationsberichte schrieben und anschließend ihren Mitschülern aus den anderen Klassen vortrugen. Dafür wurde um eine kleine Spende nachgefragt. Im Gespräch kann ich erfahren, wie viel die Schüler über die vielschichtige Problematik ihrer Altersgenossen in den sogenannten Entwicklungsländern wissen, für sie ist es unverständlich warum es Reiche gibt, die nichts an die Armen abgeben, sie eher noch ausnutzen wollen.
Sie überrascht es auch nicht, als die 9 - 10-jährigen erzählen, wie sie die Fragen der Spender auf den Verbleib des Geldes beantworteten.
Die Kinder wählten aus drei Projektvorschlägen aus, entschieden haben sie sich für ein brasilianisches Straßenkinderprojekt. Dort geht es um die Unterstützung der laufenden Betreuungs- und Förderarbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer Tagesstätte sowie mit Straßenkindern und Jugendlichen im Ortsteil Vila Sao Jose, Sao Paulo-Santo Amaro/Brasilien. Gefallen hat unseren Spendensammlern an diesem Projekt, dass die Kinder zur Schule gehen können und medizinisch versorgt werden. Hinzu kommt, dass sie auch nach der Schule in ihrer Freizeit betreut werden und sich nicht selbst überlassen bleiben. Die Kinder nehmen in der Tagesstätte ihre Mahlzeiten ein und erhalten schulergänzende Lernhilfe.
Wenn die Kinder Freude daran haben, lernen sie Theater spielen, tanzen, Capoeira (einen Kampftanz) und noch andere tolle Dinge.
Einige Kinder wohnen im angeschlossenen 'Internat' der Schule, andere wiederum leben noch bei ihren Eltern, die, gäbe es die Schule und das Freizeitangebot dort nicht, ihre Kinder nie zu Spiel- und Sportkursen, schicken könnten, weil sie das Geld dafür nicht haben. Es gibt Gruppen für kleinere und größere Kinder und Jugendliche, letztere lernen in verschiedenen Werkstätten ihr handwerkliches Talent auszubilden. So können sie später einen Beruf lernen, einfacher eine Arbeit finden und ihre Familien besser versorgen. Es gibt jedoch auch EDV- und kaufmännische Kurse. Alles steht sowohl Jungen wie auch Mädchen zur Verfügung.
Anna weiß, dass, trotz der großen Armut, die meisten Brasilianer sehr fröhliche Leute sind. Was ihnen große Freude bereitet ist die wundervolle packende rhythmische Musik. Fast hätten wir es vergessen, dass wir auch brasilianische Musik hören wollten!
Erst ein großes Gelächter und Gekicher, nur die tapferen Anna, Sina und Salome trauten sich zu tanzen. Als dann richtige Samba aus dem CD-Player kommt, werden fast alle zu begeisterten und talentierten Sambatänzern.
  Ein Klassenbild zum Schluss muss sein - mit dem kleinen Papierchen, auf dem fette 1.200 DM stehen. Eine tolle Summe und noch besser Euer großer Einsatz. Ihr könnt stolz auf Euch sein 'Obrigado' vielen Dank im Namen aller Kinder in der Crianca Amaro, an Eure Lehrerin, Fr. Lenz, die Euch so toll unterstützt hat, Fr. Schäfer und Fr Seiler, und an alle Spender mit offenem Geldbeutel und großem Herz.
Und natürlich an Euch unsere Obersuperspendensammler Eunice, Miriam, Maximilian, Aylin, SeIina, Dominik, Jens, Katharina, Stefan, Carolin, Edvina, Daniel, Henrik, Philipp, Christoph, Pascal, Daniela, Anna, Sina Nadine, Marcel, Jens Thomas, Salome! Oliver, Alena, Natascha; lrina, Janos, Gabriel, Pascal, Schüler der Klasse 4 der Waldschule Kirchfeld-Neureut das dickste Obrigado
Weiter so!

Lucia Müller, Freundeskreis Kindernothilfe Karlsruhe



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